Redemanuskript von Carolina Perth

Aus Preisfrage

Redemanuskript von C. Perth

gehalten bei der Tourismusmesse im September 2017


Die Erde ist der blaue Planet, auf dem wir alle leben. Seine Einzigartigkeit wird uns bewusst, wenn wir von oben auf unsere Welt schauen. Vom Mond, vom Mars, ja gar vom Ende unserer Galaxie aus werden wir uns der Schönheit dieses Planeten bewusst.

Doch die Erde ist verwundbar. Gerade in diesem Jahrhundert wird uns schmerzlich bewusst, dass wir keine unendlichen Ressourcen haben und der Wohlstand, an den sich die letzten drei Generationen gewöhnt haben, nicht selbstverständlich ist. Um auch in den nächsten zehn, fünfzig oder hundert Jahren diesen Wohlstand aufrecht zu halten, ist es nötig umzudenken und neue Wege zu gehen.

Wie also anfangen, was muss sich ändern? Um das zu verstehen, betrachten wir zunächst das, was bereits bekannt ist: Die Menschheitsgeschichte. In allen Zeitaltern war es uns ein Bedürfnis, das Unbekannte zu erforschen und die Hoheit darüber zu erlangen. Auch anderen Menschen und Kulturen zu begegnen gehört dazu. Aus diesem Wunsch war vor tausenden Jahren der erste und wichtigste touristische Gedanke geboren: Das Reisen.

Heutzutage ist der Tourismus der umsatzstärkste Wirtschaftszweig der Welt und übertrifft damit das internationale Finanzwesen und den Energiesektor. Über zehn Prozent des weltweiten Bruttoinlandsproduktes werden durch touristische Aktivitäten generiert. Die größten Marktanteile befinden sich fest in den Händen großer Konzerne (TUI und Thomas Cook), welche die Geschicke der Branche lenken. Als Konsequenz finden wir Bettenburgen, standardisierte Online-Portale und vermeintliche Schnäppchen, so weit das Auge blickt. In Wahrheit ist das Reisen noch immer ein teures Gut, doch das Schlimmste ist, dass die Geldgeber – nämlich die Touristen – an der Nase herum geführt werden.

Touristen haben Bedürfnisse, die sie in ihrem Urlaub erfüllen möchten. Allen voran steht der Wunsch nach individueller Erholung, gefolgt von Unternehmungslust. Seit den siebziger Jahren des letzten Jahrtausends haben touristische Angebote sich zu einem Massenmarkt entwickelt. Die Fortbewegungsmittel wurden günstiger, man denke nur an die Billig-Airlines; Pauschalangebote für wenige hundert Dollar bieten beinahe Luxus in Vier- und Fünf-Sterne-Hotels mit All-Inclusive. Um die steigenden Bedürfnisse der Konsumenten zu befriedigen, entbrannte ein wilder Konkurrenzkampf, der zu immer extremeren Ausmaßen führte. Ganze Küstenstreifen wurden von Konzernen aufgekauft, um sie mit Hotels und eigener Infrastruktur aufzurüsten und vor den gewöhnlichen Einwohnern vor Ort abzuschotten. Wälder und Ökosysteme fielen dem Expansionswahn zum Opfer, Beton wurde rücksichtslos auf gefährdeten Böden vergossen, Einheimische wurden systematisch vom Tourismus abgekapselt, anstatt daran teilzuhaben.

Denn in der Tat sind es kaum noch lokale Frauen und Männer, die den Touristen im Hotel über den Weg laufen, sondern meistens billige Saison-Arbeitskräfte aus dem Ausland. Viele Touristen bekommen den ursprünglichen Charme ihres Aufenthaltsortes gar nicht mit, weil sie bewusst von den marodierenden Infrastrukturen der Zivilgesellschaft ferngehalten werden. Oder aber, sie bemerken nicht, dass die Einwohner mehr und mehr in die Armutsfalle tappen, während die Reisenden sich überteuerte Lebensmittel kaufen und zu Mondpreisen in gewöhnlichen Appartements übernachten.

Um es kurz auf den Punkt zu bringen: Der Expansionswahn der letzten fünfzig Jahre hat dazu geführt, dass die großen Konzerne sich in eine Sackgasse manövriert haben. Das bedingungslose Streben nach maximalem Profit hat sie vergessen lassen, dass neben den ökonomischen Aspekten noch zwei weitere Faktoren eine entscheidende Rolle spielen: Ökologie und Sozio-Kulturelle Gesichtspunkte. [es wird ein Dreieck mit diesen drei Eckpunkten eingeblendet] Nur wenn diese drei Dimensionen gleichermaßen berücksichtigt werden, kann ein nachhaltiges touristisches Angebot entstehen.

Vergleichen wir also einmal, inwieweit diese drei Dimensionen zu positiven Effekten führen: Mit dem Aufbau einer touristischen Infrastruktur entsteht eine Einkommensquelle und bringt Devisen ins Land. Menschen finden neue Arbeitsplätze mit höheren Gehältern, Politiker sind bereit in neue Straßen und Gebäude zu investieren. Durch kluge gesetzliche Regelungen fließt ein Teil der Einnahmen in die Errichtung von Nationalparks und Landschaftsschutzgebieten. Reisende werden für die Bedeutung der empfindlichen Ökosysteme sensibilisiert und kommen zugleich in Kontakt mit fremden Kulturen, die zur Völkerverständigung beitragen und das kulturelle Erbe bewahren.

Der soeben geschilderte Zustand ist eine reine Idealvorstellung. In Wirklichkeit sehen wir kontinuierliche Preissteigungen sowie eine massive Überlastung der bestehenden Infrastrukturen. Dank der freien Marktwirtschaft werden ansässige Unternehmen aus anderen Industriezweigen verdrängt, was zur starken Abhängigkeit vom Tourismus führt. Arbeitskräfte gehen verloren, die Güter für die Lokalbevölkerung werden rar, Wohnraum wird immer knapper und teurer. Je mehr Hotels, Bars, Restaurants, Souvenirshops und Luxusappartements aus dem Boden gestampft werden, desto mehr wird die ursprüngliche Landschaft zerstört. Und zwar unwiederbringlich, mit radikalen Folgen für das Ökosystem: Grundwasserknappheit, Luftverschmutzung, Vertreibung wilder Tiere, Artensterben.

Am schlimmsten aber trifft der Massentourismus heutzutage die Lokalbevölkerung. Während die Touristen mit der größten Selbstverständlichkeit erwarten, an der Zieldestination alles genau so vorzufinden wie in ihrem Herkunftsland, gehen Traditionen und Kulturen verloren. Ansässige sind gezwungen, die Verhaltensweisen und Mentalitäten der Besucher anzunehmen oder zu imitieren. Ein echtes Interesse an authentischer Kultur besteht nicht; stattdessen wollen Touristen ihren Freunden und Familienmitgliedern etwas Handfestes mitbringen. So erstehen sie billige Plastikattrappen von vermeintlichem Kunstschmuck, der auch noch in China hergestellt wurde. Nicht nur, dass die Einheimischen ihrer Kultur beraubt werden: Ihre Kunstschätze werden durch solcherlei Kitsch lächerlich gemacht. Und um den ganzen die Krone aufzusetzen, nehmen die Touristen den Einheimischen mehr und mehr ihren Lebensraum weg. Die Hilflosigkeit der lokalen Bevölkerung schlägt um in Kleinkriminalität und befeuert die Prostitution, sogar bei Kindern.

Darüber hinaus wird seit Dekaden ein künstlich befeuerter Hype um berühmte Städte und Sehenswürdigkeiten veranstaltet, der in den vergangenen Jahren regelmäßig dazu führte, dass Touristenmassen sich auf engstem Raum quetschten, um ein Foto von der Rialtobrücke in Venedig, der Sagrada Familia in Barcelona oder der historischen Altstadt von Dubrovnik zu machen. [kurze Video-Clips von sich drängelnden Touristen werden eingeblendet] (hier fehlen noch Beispiele aus den USA, Mexiko und Kanada)


Mittlerweile haben die negativen Auswirkungen eine kritische Schwelle erreicht, an der sowohl die Einwohner als auch die Besucher das akzeptable Maß an Touristen für überschritten halten. Dieses Phänomen kommt seit mehreren Wochen besonders deutlich zum Vorschein und wird mit dem treffenden Begriff „Overtourism“ charakterisiert. Plötzlich protestiert die lokale Bevölkerung lautstark gegen Touristen und stellt das Geschäftsmodell einer weltweiten Branche infrage. Und zwar zu Recht! Die ursprünglichen Ideen des Tourismus, nämlich Reiselust und Völkerverständigung, weichen einem Gefühl absoluter Bedrängung: Niemand fühlt sich mehr wohl, wo er ist. Selbst die Touristen treten sich gegenseitig auf die Füße und verteufeln einander!

Die Probleme des Overtourism sind mitnichten neu. Es ist schon seit vielen Jahren bekannt, dass das exponentielle Wachstum natürliche Grenzen hat, die irgendwann nicht mit noch mehr Wachstum kompensiert werden können. Bislang wurden diese Konflikte jedoch klein geredet oder ganz verschwiegen. Auch Lösungsansätze existieren zur Genüge. Doch der gute Wille allein reicht nicht: Um eine nachhaltige Veränderung zu bewirken, müssen die Menschen die große Lücke zwischen guten Absichten und ihren realen Taten endlich überwinden.

Aufgrund der seit Wochen anhaltenden Proteste bleibt uns keine Zeit mehr, theoretische Planspiele zu betreiben. Es gibt in diesem Augenblick nur zwei Alternativen: Entweder wir steuern sofort entgegen, oder wir beerdigen mittelfristig den gesamten Tourismus. Weltweit. Ich muss Ihnen nicht sagen, dass dies einer globalen Tragödie ungeahnten Ausmaßes gleich käme. Es wäre die totale Katastrophe für die Menschheit.

Schon seit seiner Gründung 2010 steht das Planet Earth Network für genau diese Veränderungen, welche der Tourismus endlich benötigt, um im 21. Jahrhundert mit all seinen Herausforderungen anzukommen. Das Planet Earth Network ist mehr als ein Reisevermittler. Es ist ein soziales Netzwerk für alle Menschen, die den Planeten Erde entdecken und bewahren wollen.

Um die Bedürfnisse der Reisenden zu verstehen, haben wir ein weiteres Dreieck entworfen, bestehend aus den Eckpfeilern Zeit, Ort und Budget. Man muss zunächst die Zusammenhänge zwischen diesen Dimensionen begreifen, um anschließend neue Lösungsansätze zu finden: Wo es günstig ist, wollen alle hin. Wenn Ferien sind, ist alles teurer. Wo es „schön“ ist, ist es auch teurer.

PEN ist mehr als ein Reisevermittler: Es ist ein Netzwerk, von Menschen für Menschen. Seit Bestehen des Internets haben sich zahlreiche soziale Netzwerke etabliert, die die Menschen in ihrem Alltag begleiten. Kommunikationsplattformen, Karrierenetzwerke, Partnerbörsen, Verkaufsportale, Fangemeinschaften – ihnen allen ist gemein, dass sie Menschen verbinden und ihnen die Möglichkeit geben, sich auf Augenhöhe zu begegnen und gemeinsame Interessen zu verfolgen. Genau so verhält es sich mit PEN. Unser Unternehmen möchte eine Lücke füllen, die ganz offensichtlich in der Gegenwart besteht. PEN ist mehr als ein Chat-Dienst, mehr als ein Buchungs- oder Bewertungsportal.

An erster Stelle steht eine individuelle Charakter-Analyse mithilfe eines interaktiven Fragebogens und Mini-Spielen. Mithilfe moderner Algorithmen und künstlicher Intelligenz können wir somit Interessensgruppen identifizieren und den Touristen passgenaue Vorschläge unterbreiten, in einer Qualität, wie es sie nie zuvor gegeben hat. Um den Mitgliedern Anreize zu geben, sich aktiv für Nachhaltigkeit und Verantwortung zu engagieren, haben wir ein „Gamification“-System entwickelt: Nutzer bekommen Trophäen für nachhaltiges Verhalten und können mithilfe einer virtuellen „Währung“ von Vorteilen und Angeboten profitieren.

Ganz wichtig ist uns, nicht den Fehler der klassischen Konzerne zu wiederholen und den Menschen durch Monopolmacht den Weg vorzuschreiben. Beim PEN bestimmt nicht der Konzern die Regeln, sondern die User. Diese Entscheidungen werden in demokratischen Prozessen gefällt und lediglich redaktionell überwacht, um Missbrauch vorzubeugen.

Wir haben mithilfe gigantischer Datenbank das Wissen von Abermillionen Reisenden, Bloggern und Veranstaltern gesammelt und mithilfe von Machine Learning Techniken aufbereitet. Das Ergebnis ist eine gewaltige Enzyklopädie, welche zahlreiche Geheimnisse offenbart: Nämlich dass die besten Destinationen oft nicht die bekanntesten sind! Lokale Ziele lohnen sich meistens eher.

Alle Funktionen des PEN – Reisebuchung, Vermittlung, Planung, Durchführung, Betreuung, Blogs, Bewertungen, Abrechnungen, virtuelle Führungen – sind in einer einzigen App integriert. Die Basisnutzung ist völlig kostenfrei, die Einnahmen werden lediglich durch Vermittlungsprovisionen und Kooperationen generiert.


„Die Zukunft beginnt jetzt. In diesem Moment. Lassen Sie uns nicht länger die Augen verschließen vor altbekannten Problemen. Lassen Sie uns nicht länger über Lösungen diskutieren. Lassen Sie uns zur Tat schreiten, der Menschheit ihre Würde und ihr Zuhause zurück geben. Sodass noch unsere Kinder und Enkel leben können gemäß der alten Weisheit: » Hier bin ich Mensch, hier darf ich’s sein! «“