14. August 2017

Aus Preisfrage

Montag, 14. August 2017

Berlin-Wedding

Der schrille Ton eines altmodischen Weckers riss Sophie Holländer aus dem Schlaf. Mit einer routinierten Handbewegung brachte sie das Monstrum zum Schweigen, streckte sich und stand langsam auf.

Die Sonne schien hell und warm durch ihr Zimmerfenster.

Sophie schaute auf ihre Armbanduhr. Halb acht. Mehr als genug Zeit, um noch ein paar Runden zu joggen. In Sekundenschnelle hatte sie Top, Hose und Laufschuhe übergestreift, schnappte ihr Schlüsselbund und verließ leise die Wohnung, um Carina nicht zu wecken. Das hätte ihr diese Schlafmütze sonst übel genommen.

Im Laufschritt




Carina steckte den Schlüssel in die Tür des Reisebüros und dreht ihn herum.

„Onkel Max ist noch nicht da“, sagte sie erleichtert und trat ein, gefolgt von Sophie. „Dann haben wir noch etwas Zeit, alles vorzubereiten, bevor es richtig losgeht.“


Max Rohde war ein untersetzter Mann, der Sophie und Carina kaum bis zur Schulter reichte. Mit seinem Wohlstandsbäuchlein, den Jesuslatschen und seinem … hätte er gut und gerne als typisch deutscher Tourist durchgehen können. Aber eher nicht als Chef eines Reisebüros.


Das Telefon klingelt.

»Hallo Oma, was gibt es denn?«

[Auftritt Max Rohde]

»War das etwa gerade ein Privatgespräch, Sophie?«, fragte der Chef entsetzt.

»Dir sollte doch hoffentlich klar sein, dass unser Telefonanschluss nur für Kundengespräche zur Verfügung steht! Stell dir mal vor, was passieren würde, wenn ein Kunde uns versucht zu erreichen und es ist andauernd besetzt, weil jemand einen privaten Schwatz führt!«

»Als ob hier jemals ein Kunde anrufen würde«, murmelte Sophie so leise, dass Herr Rohde es nicht hören konnte.