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'''Wichtige Information:''' Die Verwendung realer Personennamen und Ereignisse kann rechtlich problematisch werden, wenn darüber hinaus fiktive Elemente hinzu erfunden werden. Siehe auch https://chatgpt.com/share/ef2e9e3c-ebc7-4d75-9b59-1ba4a7b82505. Vielleicht sollten die Personennamen und der Name "Unister" ausgetauscht werden.
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== Weitere Inspirationen ==
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https://www.versicherungsbote.de/id/4843132/Ex-Unister-Sprecher-Korosides-zweifelt-Unfall-bei-Thomas-Wagner-Flugzeugabsturz-an/
 
* Hintergründe und ehemalige Expansionspläne: https://www.versicherungsbote.de/id/4843132/Ex-Unister-Sprecher-Korosides-zweifelt-Unfall-bei-Thomas-Wagner-Flugzeugabsturz-an/
* Der legendäre Computer BILD Artikel, jetzt bei Welt.de: https://www.welt.de/wirtschaft/webwelt/article107707228/Die-Machenschaften-des-Abzock-Imperiums-Unister.html
*Video-Doku: https://www.youtube.com/watch?v=Bw25Mlagz_s

Aktuelle Version vom 9. August 2024, 13:38 Uhr

Wichtige Information: Die Verwendung realer Personennamen und Ereignisse kann rechtlich problematisch werden, wenn darüber hinaus fiktive Elemente hinzu erfunden werden. Siehe auch https://chatgpt.com/share/ef2e9e3c-ebc7-4d75-9b59-1ba4a7b82505. Vielleicht sollten die Personennamen und der Name "Unister" ausgetauscht werden.

Donnerstag, 14. Juli 2016, 10:46 Uhr

Slowenischer Luftraum, bei Ajdovščina

Du musst mir helfen. Sag für heute alle Termine ab. Finde alles über diesen Levi Vass heraus – er soll angeblich ein israelischer Diamantenhändler sein. Sobald wir zurück in Leipzig sind, werde ich Anzeige erstatten. Es geht um unsere Existenz!

Thomas Wagner tippte mit dem Zeigefinger auf „Senden“ und sah zu, wie ein kleines grünes Häkchen unter der SMS erschien. Erleichterung durchfuhr ihn. Das hätte gerade noch gefehlt, in dieser dämlichen Maschine keinen Empfang zu haben. In den nächsten drei Stunden konnte er wenig mehr tun als seiner Freundin daheim kurze Anweisungen übermitteln. Hoffentlich würde sie bei ihren Recherchen erfolgreich sein.

Draußen trieben dunkelgraue Wolkenfetzen an der kleinen Piper PA-32R entlang und hinterließen trübe Schlieren an den Bordfenstern. Das Wetter schien beschlossen zu haben, sich ganz im Sinne von Wagners Gemütszustand zu präsentieren, was zur Folge hatte, dass dessen Laune noch schlechter wurde. Während der Propeller monoton vor sich hin brummte, verfluchte Wagner den Tag, an welchem er sein erstes Telefonat mit Herrn Schwätter geführt hatte, diesem elenden Finanzvermittler. Notgedrungen wohlgemerkt, denn das Wasser stand ihm als Geschäftsführer der Unister Holding mittlerweile bis zum Hals.


Kurz nach Beginn des neuen Jahrtausends hatten Thomas Wagner und seine treuen Mitarbeiter ein Online-Imperium geschaffen, welches die Reisebranche kräftig aufmischte. Dank der Allgegenwart des Internets ließen sich touristische Angebote heutzutage in Sekundenschnelle mit wenigen Klicks verkaufen – Fünf-Sterne Hotel, all inclusive mit Flug und Mietwagen. Die urlaubssüchtigen Kunden fielen geradezu über die Buchungsportale her, sodass es ein Leichtes war, innerhalb einer Dekade zum digitalen Touristik-Marktführer aufzusteigen. Mit den prominenten Gesichtern von Michael Ballack und Reiner Calmund stieg die Bekanntheit der Unister-Marken wie Ab in den Urlaub oder Fluege.de. Es wurden jährliche Umsätze von dutzenden Millionen Euro generiert. Große internationale Konzerne bekundeten zunehmend ihr Interesse, das erfolgreiche ostdeutsche Unternehmen aufzukaufen, um die Karten im Billigreise-Poker neu zu mischen.

Vielleicht hätte er tatsächlich den Zeitpunkt nutzen und sich mit einer möglichen Übernahme befassen sollen, dachte Wagner im Stillen. Doch er war kein Startup-Unternehmer, der sich vom erstbesten Interessenten übers Ohr hauen ließ. Womit wollten sie ihn abspeisen, mit sechshundertdreißig Millionen Euro? Lächerlich! Dafür hatte er nicht zehn Jahre lang die Nächte durchgearbeitet und einen Trumpf nach dem anderen ausgespielt, um sich mehr und mehr wichtige Marktanteile zu sichern. Selbst eine Offerte von knapp neunhundert Millionen Euro ließ ihn kalt, wenngleich man der Sache damit schon näher kam. Bald schon, sehr bald, würde jemand den Wert der Unternehmensgruppe auf einen zehnstelligen Betrag bemessen. Dann – endlich – käme seine große Stunde, er würde einen Vertrag unterschreiben und für den Rest seines Lebens finanziell ausgesorgt haben. Das war sein Plan.

Eigentlich.

Denn das ersehnte Milliardenangebot für Unister ließ vergeblich auf sich warten. Stattdessen klopfte eines Dienstagmorgens unvermittelt das sächsische Landeskriminalamt an der Tür und führte eine Razzia durch. Der Verdacht: Steuerhinterziehung im großen Stil sowie der unerlaubte Verkauf von Versicherungsprodukten. Wagner wurde noch heute fuchsteufelswild, wenn er daran zurückdachte. Natürlich hatte Unister gegen alle Spielregeln des konventionellen Business’ verstoßen. Mit moralischen Bedenken und halbherzigem Zaudern wurde man eben kein Marktführer. Und was konnte Wagner schon dafür, dass Hotelbesitzer und Reisebüros so gedankenlos waren, die Internet-Domains ihrer Markennamen nicht zu reservieren und sie dem freien Markt quasi auf dem Silbertablett zu überlassen? Es war schlicht die logische Konsequenz, von solchen Versäumnissen zu profitieren und kurzerhand die Netzwerkadressen selbst aufzukaufen, um sie auf die hauseigenen Portale weiterzuleiten. Die Folgen waren selbstverständlich absehbar, doch ein paar erboste Konkurrenten und Unterlassungsklagen entlockten einem Thomas Wagner allenfalls ein süffisantes Grinsen.

Leider barg das rebellische Vorgehen der Unister-Gruppe ein gewisses Risiko. Nicht zuletzt deshalb, weil fast alle erkauften Werbeanzeigen offensichtlich unter falschem Namen geschaltet wurden und eine eindeutige Wettbewerbsverzerrung darstellten. Doch diese Geschäftstricks waren nicht der Grund für die überfallartigen Ermittlungen der Generalstaatsanwaltschaft Dresden. Im Gegenteil, es ging um eine völlig belanglose Verkaufspraxis, welche seit Jahrzehnten weltweit verbreitet war: Der Reisevermittler – in diesem Fall Unister – führte eine Kundenbuchung zu einem festgelegten Preis durch. Bevor Unister jedoch den eigentlichen Vertrag mit dem Veranstalter unterschrieb, versuchte man die Kosten noch einmal zu drücken und ein billigeres Angebot zu ergattern. Die so erwirtschaftete Marge steckte sich das Unternehmen stillschweigend in die Tasche, ohne dass die Kunden etwas bemerkten.

Nach Wagners Ansicht handelte es sich um eine völlig legale Methode, den Umsatz zu erhöhen. Immerhin hatte man dem Reisenden ja nichts weggenommen, sondern nur „am anderen Ende“ ein wenig gespart. Freilich sah der Oberstaatsanwalt diesen Sachverhalt ganz anders und argumentierte, als Reisevermittler dürfe man keinesfalls nach Zustandekommen eines Vertrags die vereinbarte Leistung nachverhandeln. Egal ob mit dem Kunden oder mit dem Veranstalter. Zudem sei die optionale „Absicherung gegen Stornierung“ auf den Reiseportalen nichts weiter als eine gewöhnliche Reiserücktrittsversicherung, für die eine Versicherungssteuer fällig wäre. Diese sei jedoch nie abgeführt wurden, wodurch sich ein Millionenschaden ergeben habe.

Niemals hätte der Geschäftsführer des erfolgreichsten Online-Tourismusgiganten Deutschlands damit gerechnet, wegen zweier Bagatellen in Handschellen aus seinem Büro geführt zu werden. Bei allen nachvollziehbaren Verstößen gegen fairen Wettbewerb, die auf Unisters Konto gingen, fühlte sich die Verhaftung ausgerechnet wegen geringfügigen Steuerbetrugs wie eine bittere Demütigung an. Damit nicht genug, machten plötzlich schlechte Nachrichten die Runde und warfen einen finsteren Schatten auf das Image des Unternehmens. Banken wollten keine neuen Kredite mehr genehmigen, die Medien spekulierten über finanzielle Schwierigkeiten. Eine Fachzeitschrift veröffentlichte gar einen schonungslosen Artikel über angebliche „Abzock-Fallen“.

Die Realität überrumpelte Wagner und seine jungen Mitarbeiter ohne Vorwarnung. Das exponentielle Firmenwachstum geriet außer Kontrolle, Planning und Controlling kamen nicht mehr hinterher, die Bilanzen fielen in den Keller. Schon nach kurzer Zeit hatte sich das Blatt vollständig gewendet, und die Kaufangebote, welche zuletzt bereits auf dreihundert Millionen abgesackt waren, blieben mittlerweile völlig aus.


Ein Ruck ging durch die Maschine und riss Thomas Wagner jäh aus seinen Tagträumen. Heftige Winde jagten über die Tragflächen und schüttelten die Insassen durch. Links von ihm saß Oliver Schilling, ein guter Freund und Gesellschafter der Unister, und starrte mit unbewegter Miene ins Leere. Wagners Finanzmakler Heinz Horst Beck auf dem gegenüberliegenden Sitz hatte es sich zur Aufgabe gemacht, eine Flasche Wasser zu trinken und nach jedem Schluck das Etikett auf der Rückseite gründlich zu studieren. Im geöffneten Cockpit nahm der Pilot gerade eine Kurskorrektur vor und funkte etwas Unverständliches an die Fluglotsen.

Impulsiv ballte Wagner seine rechte Hand zur Faust und schlug sie gegen die Kabinenwand. Niemand reagierte auf das dumpfe Geräusch. Es herrschte eine eisige Stimmung, welche durch die aufziehenden Gewitterwolken zusätzlich verstärkt wurde. Warum, warum nur hatten sie sich auf diese Geschichte mit dem angeblichen Barkredit eingelassen? Es wäre die buchstäbliche Rettung in letzter Minute gewesen. Doch das Schicksal führte andere Pläne im Schilde.


Nachdem bei Unister hinter verschlossenen Türen mahnende Stimmen laut wurden, man müsse sich auf ein drohendes Insolvenzverfahren einstellen, kam überraschend der Kontakt mit einem Finanzvermittler zustande. Wilfried Schwätter, ein erfahrener Gentleman von aufgeschlossenem Temperament, erklärte über einen Mittelsmann von Unister, er wolle dem angeschlagenen Unternehmen wieder auf die Beine helfen. Wagner beauftragte unverzüglich Beck sowie einen weiteren hochrangigen Manager, um ein Meeting zu vereinbaren und die Konditionen zu erörtern.

Das Resümee des Treffens löste gemischte Gefühle aus. Seit nunmehr siebzehn Jahren arbeitete Schwätter laut eigener Aussage vertrauensvoll mit einem israelischen Diamantenhändler zusammen. Sein Angebot war ein diskreter Kredit im Wert von fünfzehn Millionen Euro. Die Summe würde notariell beglaubigt und in zwei Raten ausgezahlt werden, die ersten vier Millionen in bar als Schweizerfranken. Um der Integrität willen sei eine Kreditausfallversicherung in Höhe von zehn Prozent inbegriffen.

Während die Manager das Treffen als komplette Zeitverschwendung abtun wollten, drängte Wagner mit Nachdruck auf eine erneute Kontaktaufnahme. Den Hinweis seines wortführenden Finanzagenten, man habe es hier eher mit der Mafia zu tun als mit einem seriösen Geschäftsmann, ignorierte er geflissentlich. Stattdessen hob er von einem Firmenkonto eins Komma fünf Millionen Euro als Sicherheit ab und kaufte drei Flugtickets, um nach Venedig zu fliegen, wo die Geldübergabe stattfinden sollte.

[Idee: Den folgenden Abschnitt immer im Präsens schreiben und auf persönliche Eindrücke aus Sicht von Thomas Wagner eingehen.] So hatten die Dinge am Vortag letztlich ihren Lauf genommen. Zusammen mit seinen Partnern Beck und Schilling war er in Leipzig in die kleine Propellermaschine gestiegen und über die Alpen bis ans Mittelmeer geflogen, wo das Trio am frühen Nachmittag den Marco Polo Airport verließ. Durch den hektischen italienischen Innenstadtverkehr gelangten sie zum Antony Palace Hotel, das in Mestre auf dem venezianischen Festland lag. Der edle Rundbau mit seiner türkisfarbenen Glasfront empfing die frisch eingetroffenen Besucher mit luxuriösem Ambiente. Wagner und seine Gefolgsleute steuerten unbeeindruckt auf die Lobby zu und ließen sich auf dunkelbraunen Polstersesseln nieder. Den Geldkoffer platzierte Wagner eng zwischen seinen Füßen und ließ ihn nicht aus den Augen.

Eine knappe Viertelstunde später betrat ein tadellos gekleideter Herr den Empfangsbereich. Er war vielleicht sechzig Jahre alt, von schmächtiger Statur, mit elegant gekämmten Haaren und einer teuren Uhr am Handgelenk. Leicht gebückt lief er auf die drei Geschäftsmänner zu und stellte sich als Levy Vass vor. In den darauf folgenden Minuten wurden Dokumente ausgetauscht und unterschrieben. Danach gingen alle gemeinsam auf den Hotelparkplatz. Wagner übergab den Koffer mit der Kreditsicherheit und empfing im Gegenzug einen noch größeren Aktenkoffer, welcher mit glänzenden Schweizer Franken gefüllt war.

So sah es jedenfalls aus.


Der Pilot drehte unversehens in eine steile Linkskurve. Die drei Passagiere kippten zur Seite; Beck verschüttete den verbliebenen Inhalt seiner Wasserflasche über der Anzughose und fluchte.

»Was zur Hölle sollte das denn?«, rief Wagner aufgebracht in Richtung Cockpit.

»Turbulenzen«, entgegnete der Pilot ohne sich umzudrehen. »Vor uns liegt eine Gewitterfront. Wir sollten umkehren und abwarten, bis die Wolken sich …«

»Gar nichts werden wir! Denken Sie vielleicht, wir fliegen aus Spaß durch halb Europa?«, fauchte Wagner zurück. »Lassen Sie sich gefälligst was einfallen, wie wir um das Scheißwetter herum kommen. Wir haben gestern schon einen ganzen Tag verloren!«

Der ältere Mann am Steuer zeigte sich unbeeindruckt.

»Wir sind bereits mittendrin in diesem Scheißwetter. Glauben Sie mir, es wäre besser zu sinken und einen Ausweichflughafen anzusteuern. Anderenfalls könnte die kalte Luft zu Eisbildung an den Tragflächen führen.«

Der Unister-Geschäftsführer wechselte einen bedeutungsvollen Blick mit Beck, der gerade mit einem Taschentuch seine Hose trocknete, ehe er zu einer Antwort ansetzte.

»Wir wissen Ihre fliegerischen Fähigkeiten sehr zu schätzen. Insbesondere dann, wenn sie uns dabei helfen, an unser Ziel zu gelangen. Sollten Sie sich hingegen außerstande fühlen, mit ein bisschen Regen klarzukommen, dann betrachten Sie das hier als praxisnahe Übung!«

Mit diesen Worten verschränkte Wagner die Arme vor der Brust und wartete lauernd. Dem Piloten schien es die Sprache verschlagen zu haben, denn er umklammerte nur fest das Steuerhorn und gab keinen weiteren Laut von sich.

Es war dem jungen Geschäftsmann bewusst, dass der Flugzeugkapitän nicht die geringste Schuld an seiner Misere trug, doch im Augenblick hatte er kein Mitleid übrig. Außer vielleicht für sich selbst.

Vor weniger als vierundzwanzig Stunden hatte sich Wagner noch unglaublich erleichtert gefühlt. Der Kreditgeber war leibhaftig erschienen, er wirkte seriös und hatte die erste Tranche in bar bei sich. Im Anschluss an die Geldübergabe wollten beide Parteien ihre jeweiligen Finanzvolumina bei einer italienischen Bank einzahlen. Herr Vass grüßte freundlich, stieg in seinen Jaguar und brauste von dannen. Wagner, Schilling und Beck folgten ihm in ihrem Mietwagen, doch irgendwann verloren sie ihren Vordermann im dichten Verkehr aus den Augen.

Als die Unister-Geschäftspartner vor dem Geldinstitut eintrafen, war von Herrn Vass weit und breit keine Spur zu sehen. Mehrfach versuchten sie den Diamantenhändler telefonisch zu erreichen, doch es meldete sich nur die Mailbox. Es war dieser Moment, als sich in Wagner ein flaues Gefühl breit machte, der ihn mit einer dunklen Vorahnung zum Kofferraum gehen ließ. Dort lag der schwarze Koffer und schimmerte matt im grellen Sonnenlicht. Mit nervösen Händen öffnete Wagner die Verschlussschnallen und hob den Deckel an.

An der Oberfläche befanden sich waschechte Banknoten, deren Hologramme in bunten Mustern schimmerten. Doch als Wagner die obersten Geldbündel beiseite legte, verblassten die feinen Linien und ließen keine Zweifel offen. Fassungslos blätterte er durch die dünnen Papierscheine, auf denen in minderwertiger Qualität farbige Zahlen gedruckt waren. Man hatte ihn betrogen. Ihm Falschgeld untergejubelt. Und er hatte daneben gestanden und tatenlos zugeschaut, als es passierte.

Die nächsten Stunden waren für alle Beteiligten ein wahrer Alptraum. Man eilte zur Polizeidirektion, um Anzeige wegen Betrugs zu erstatten. Mangels Dolmetscher wurde der Prozess zur Herkulesaufgabe, da die Beamten der Guardia di Finanza des Englischen nicht mächtig waren. Mit Händen und Füßen versuchten Wagner und seine Gefolgsleute zu erklären, man habe anderthalb Millionen Euro in bar verloren und im Gegenzug anstelle von vier Millionen Franken lediglich einen Bruchteil dessen erhalten.

Mit einem Mal klingelte Wagners Handy. Hektisch fingerte er das blöde Ding aus dem Jackett und nahm den Anruf entgegen. Doch es war nur die Stimme des Piloten und nicht die von Levy Vass. Er erklärte, man müsse den Rückflug auf den nächsten Morgen verschieben, da er keine Nachtfluglizenz besäße. Wagner wurde rasend vor Wut und hätte das Telefon beinahe auf den Boden geschmettert.

In der vergangenen Nacht bekam Wagner kein Auge zu. Mit knappen Worten hatte er seiner Freundin mitgeteilt, dass er auf einen Trick hereingefallen war. Ob sie doch bitte im Internet nachschauen könnte, was für eine Masche das gewesen sein konnte. Ihre Antwort folgte schon nach wenigen Minuten:

RIPDEAL!

Wagner starrte regungslos auf das simple Wort. Ein Vorauszahlungsbetrug also. Die Großbuchstaben tanzten vor seinem Blickfeld auf und ab und ließen ihn keinen klaren Gedanken fassen. Schließlich bat er seine Freundin, alle Termine für den kommenden Tag abzusagen, legte das Smartphone beiseite und versank in Grübeleien.

Früh am nächsten Morgen kramten die drei Unister-Partner ihre Utensilien zusammen und fuhren zum Flughafen. Der Koffer mit dem Falschgeld war nun lächerlich leicht, da die Blüten von der italienischen Polizei konfisziert wurden. Alles, was Wagner blieb, waren rund zehntausend Schweizer Franken. Das entsprach beinahe den Unkosten für diese sinnlose Geschäftsreise. In seiner Wut stopfte der betrogene Geschäftsführer die wenigen Geldbündel in seinen Rucksack und verpasste dem Koffer einen saftigen Tritt, sodass er unter eine Reklametafel rutschte. Der Rückflug nach Leipzig sollte ungefähr drei Stunden dauern. Bis dahin war Wagner machtlos, konnte nichts tun, nur aus dem Fenster starren und warten, warten bis zur Landung auf vertrautem Terrain.


Inzwischen waren die vier Insassen der Piper inmitten eines Gewittersturms gefangen. Hinter den Bordfenstern erstreckte sich eine dunkelgraue, undurchdringliche Wand. Es ruckelte und wackelte heftig. Eine Mischung aus Motorenlärm und Regengeprassel erfüllte den Innenraum mit zunehmender Weltuntergangsstimmung.

Wagner holte sein Handy hervor und suchte das Display nach einer neuen SMS seiner Freundin ab, obgleich er wusste, dass es sinnlos war. In dem Unwetter war die Netzverbindung komplett unterbrochen. Geistesabwesend blätterte er durch den Verlauf seiner Textnachrichten und blieb plötzlich bei einem Wort hängen.

RIPDEAL!

Etwas regte sich in Wagners Kopf. Er versuchte den Gedanken zu packen und ihn ausreifen zu lassen. Vor seinem inneren Augen veränderten die Buchstaben ihre Abstände.

RIP – DEAL

R I P

Rest In Peace.

Was hatte Beck nach dem Treffen mit Herrn Schwätter nochmal gesagt? Wir haben es wohl eher mit der Mafia zu tun, als mit einem seriösen Geschäftsmann.

Mit einem kreischenden metallischen Geräusch riss das Höhenruder des Kleinflugzeugs aus seiner Verankerung und fiel in die Tiefe. Thomas Wagner, der seinen Sicherheitsgurt nach dem Start geöffnet hatte, wurde in die Luft geworfen, knallte jäh mit dem Rücken an die Kabinendecke und prellte sich heftig den Schädel. Das Smartphone rutschte ihm aus der Hand, fiel herunter und verschwand zwischen umherfliegenden Papieren und Kleidungsstücken.

»Mayday, Mayday!«, schrie der Pilot ins Funkgerät, während er panisch am Steuerhorn zerrte und versuchte, die Maschine zu stabilisieren. Mit unglaublicher Geschwindigkeit kippte das Flugzeug zur Seite, drehte sich um die eigene Achse und raste auf die Erde zu. Schilling und Beck krallten sich in ihre Sitze, während Wagner ins Heck geschleudert wurde. Das darf nicht wahr sein, dachte er nur.

Dann wurde ihm schwarz vor Augen.

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